Als SEO Consultant war ich anfangs sehr skeptisch: „Open Data und SEO? Kann das funktionieren? Macht das überhaupt Sinn?“ Mittlerweile hatte ich an mehreren Stellen die Möglichkeit mich zum Thema Open Data und dem Konzept, wie es die DZT und die gebildete Fachgruppe umzusetzen versucht, zu informieren. Ich nehme es vorweg und sage heute: „Ja, es kann Sinn machen, auch aus SEO-Sicht“! Zudem ist der nachfolgende Artikel auch nur im Kontext der Suchmaschinen zu sehen. Ökosysteme, die nicht von Google oder Bing analysiert werden, beispielsweise Content in Apps, sind hier ohnehin auszuklammern.

Das große Argument gegen Open Data, zumindest im Hinblick auf die SEO, ist Duplicate Content. Wer jedoch Googles Aussage zur Thematik kennt und richtig zu interpretieren weiß, der muss nicht mehr zwangsweise skeptisch sein.

Duplicate Content: der Anwendungsfall ist entscheidend!

Oftmals wird der Begriff „Abstrafung“ in die Diskussion geführt. Was jedoch als Vorwissen unbedingt nötig ist, um Duplicate Content und Open Data in den richtigen Zusammenhang zu bringen: Duplicate Content führt nicht zu einem Penalty oder einer Abstrafung, wie oft behauptet wird, sondern lediglich dazu, dass duplizierte Inhalte nicht (gut) ranken! URLs mit uniquem Content auf der gleichen Domain werden aber nicht negativ beeinflusst.

Somit muss ich als Websitebetreiber nicht darauf achten, 100% uniquen Content zur Verfügung zu stellen. Mit diesem Hintergrundwissen gilt es also nun Open Data aus SEO Sicht zu beurteilen und zu überlegen in welchen Fällen es also Sinn (oder weniger Sinn) macht, Open Data zu nutzen.

Im Prinzip gibt es aus SEO-Sicht zwei mögliche Anwendungsfälle für Open Data, die zu Duplicate Content führen:

  • Die eigenen Contents werden als Open Data zur Verfügung gestellt.

  • Die Nutzung von Open Data auf der eigenen Website – also Contents, die durch Dritte erstellt wurden und bereits an anderer Stelle veröffentlicht sind.

Anwendungsbeispiel 1: Eigener Content wird zur Verfügung gestellt

Erstelle ich hochwertigen Content zu einer Destination, einer Sehenswürdigkeit oder einer anderen (touristischen) Attraktion und stelle diesen als Open Data zur Verfügung, habe ich ohnehin Interesse, dass mein Content genutzt wird und dementsprechend meine Informationen dazu im Netz gestreut wird.

Open Data wird so also zum zusätzlichen Distributionskanal. Ich muss zudem auch hier keine Angst vor Duplicate Content haben, denn sollte meine Website den Content zuerst veröffentlichen und sollte dieser auch in Googles Index sein, so versteht auch Google wer initial den Content zur Verfügung gestellt hat. Somit brauche ich als derjenige, der den Content zur Verfügung stellt, keine Angst vor negativen SEO Folgen zu haben.

Anwendungsbeispiel 2: Nutzung von Open Data auf der eigenen Website

Wer hochwertigen Content von Dritten in Form von Open Data nutzen möchte, der muss sich darüber im Klaren sein, dass er höchstwahrscheinlich über Suchmaschinen keine Top Rankings erhalten wird. Für den ist der Open Data Content also dafür da, selbst weniger Content produzieren zu müssen und somit Budget und Kapazitäten zu sparen.

Dies könnte für Hotelbetriebe Sinn machen, die zwar eine Website betreiben und weiterführenden Content zur Verfügung stellen wollen, dafür aber keinen eigenen Content produzieren möchten. Hier läuten vermutlich die Alarmglocken vieler Suchmaschinenoptimierer, wie sollen diese Betriebe im Web sichtbar sein?

Damit haben sie auch recht, aber ich wage aus meiner Erfahrung heraus zu behaupten, dass es für kleinere Betriebe ohnehin schwer sein wird Sichtbarkeit zu betriebsfremden Attraktionen in ihrer Region in Suchmaschinen zu generieren. Denn wer sollte beispielsweise relevanter für den Begriff „Schloss Neuschwanstein“ sein, als die Website des Schlosses selbst?

Die Frage ist, mit welchem Ziel Open Data genutzt wird

Entscheidende Frage ist bei der Verwendung von Open Data immer der Anwendungsfall und das Ziel der Website. Buchungsplattformen, Intermediäre oder auch Vermarkter von POIs selbst, haben in der Regel kein Interesse Open Data Content zu nutzen und wenn, dann nur in geringem Maße. Diese Plattformen haben ein hohes Interesse selbst Content zu produzieren und diesen sichtbar in Suchmaschinen zu platzieren.

Andere Betriebe, die beispielsweise auf der Suche nach ergänzendem Content sind (Hotels, kleinere Pensionen, etc.), haben wiederum ein hohes Interesse an hochwertigem, redaktionell geprüftem Content, der ohne Angst vor Rechteverletzungen (beispielsweise visueller Content) genutzt werden kann. Da diese Contents jedoch meist teuer (oder aufwändig/zeitintensiv in der Produktion) sind und die Aussicht gegen die POIs selbst oder die Internetriesen unserer Zeit sichtbar zu sein, stellt sich hier die Frage nach dem Sinn uniquen Content zu erstellen.

Ein Fazit

Zusammengefasst bin ich der Meinung, dass das Konzept Open Data, so wie es hier umgesetzt werden soll, noch viel Aufklärungsarbeit benötigt. Denn erst dann kann das Konstrukt funktionieren und die Idee Erfolg bringen. Aus SEO Sicht kann ich jedoch abschließend keine Argumente finden, die im Grundsatz gegen dieses Konstrukt sprechen. Mit der richtigen Sicht auf die eigenen Ziele kann ich auf Open Data zurückgreifen, oder eben Abstand davon nehmen. Dies wird aber ohnehin nicht die SEO diktieren, sondern vielmehr die eigenen Unternehmensziele.

Tobias Wollesack

Tobias Wollesack

iProspect

Tobias Wollesack ist Senior Owned Media Consultant bei iProspect. Sein Schwerpunkt in der operativen und strategischen Beratung liegt im Bereich SEO. Insbesondere international agierende Unternehmen, sowie Konzerne zählen zu seinen Kunden.

Mehr zur Person unter: https://www.linkedin.com/in/tobias-wollesack-84431689/